Die Ney gehört zu den ältesten bekannten Musikinstrumenten der
Menschheitsgeschichte. Ihre Wurzeln reichen bis zu den Sumerern im antiken
Mesopotamien zurück, wo bereits um 5000 v.ÿChr. schilfrohrbasierte Längsflöten
existierten. Diese frühe Form der Ney stellt eine durchgehende organologische Liniedar, die sich bis in die heutige Türkei verfolgen lässt.
Gefertigt aus Schilfrohr (kamış), ist die Ney ein einfaches, aber komplex klingendes Instrument. Sie besteht aus neun natürlichen Knotenabschnitten (boğum) und besitzt sieben Tonlöcher (perde) – sechs vorne, eines hinten. Das Rohr wird durch Schutzringe(parazvane) an beiden Enden verstärkt. Das Mundstück (başpare) aus Wasserbüffelhornist eine osmanische Innovation – frühere Neys wurden ohne Mundstück geblasen. Die başpare formt den Luftstrom, erhöht die Kontrolle und ermöglicht feinere Intonation.
Die Ney ist für die modale Makam-Musik des Osmanischen Reiches prädestiniert. Ihrnicht temperiertes Tonsystem erlaubt mikrotonale Verzierungen, die für diese Musik essenziell sind. Auch technisch gilt das Instrument als herausfordernd – ein klarer Tonerfordert gezielte Atemführung, subtile Lippenspannung und Erfahrung.
Spirituell bedeutsam ist der Atem selbst: Der Hauch, der durch das Instrument strömt,wird im Sufismus mit dem arabischen Laut „Hū“ (هو) identifiziert – einem heiligen Gottesnamen, der „Er“ bedeutet. Somit wird das Ney-Spiel im Mevlevi-Ritus zu einerkontemplativen Praxis – jeder Ton ein stilles Gedenken an das Göttliche. Der Musikerwird durch das Spiel zum Mittler zwischen Weltlichem und Transzendentem.
Die Ney ist eine besondere Flöte aus der Türkei, die seit Tausenden von Jahren gespieltwird – sogar schon bei den Sumerern um 5000 v.ÿChr.. Sie besteht aus Schilfrohr (kamış)und hat neun Abschnitte (boğum), also kleine Knoten entlang des Rohrs. Dazu kommen sieben Tonlöcher (perde), die eine große Vielfalt an Tönen ermöglichen. Damit spieltman die sogenannte Makam-Musik, die nicht wie bei westlicher Musik auf festen Halbtonschritten basiert, sondern auf natürlichen Tonverhältnissen.
Ein interessantes Detail: Das Mundstück (başpare), das heute fast immer dabei ist,
wurde erst im Osmanischen Reich eingeführt. Vorher spielte man direkt auf dem offenenRohr. Das Mundstück ist meistens aus Wasserbüffelhorn und hilft, den Ton zu kontrollieren.
Das Ney-Spiel ist technisch sehr schwierig – schon den ersten klaren Ton zu erzeugen,kann Tage oder Wochen dauern. Aber genau das macht sie auch zu einem besonderen Instrument für Menschen, die Geduld und Hingabe mitbringen.
Für viele Musiker ist die Ney mehr als ein Instrument. In der sufistischen Musik,
besonders bei den tanzenden Derwischen, symbolisiert ihr Klang den Atem Gottes. Die Sufis sagen, dass der Luftstrom beim Spielen wie das Wort „Hū“ (هو) klingt – ein Name für Gott, der einfach „Er“ bedeutet. Darum ist das Spielen der Ney für viele auch eine Art Gebet – man erinnert sich mit jedem Ton an das Göttliche.
Die Ney weint. Und in ihrem Weinen liegt ein Name: „Hū“ – Er. So nennen die Mystiker Gottes namenloses Sein. Doch es ist nicht Gott selbst, der da haucht – es ist der Neyzen, der Spieler, der durch seinen eigenen Atem den Namen des Ewigen ausspricht.
Seit den Tagen der Sumerer, vor über 7000 Jahren, wurde das Schilfrohr geschnitten,ausgehöhlt, und seinem Ursprung entrissen – so wie auch die Seele vom Göttlichen getrennt wurde. Die Ney trägt neun Knoten (boğum), durch die der Atem wandert, siebenTonlöcher (perde), durch die sich das Herz ausdrückt. Am oberen und unteren Ende schützen Ringe (parazvane) das empfindliche Rohr.
Ursprünglich spielte man die Ney direkt am Rohr. Erst im Osmanischen Reich wurde dasMundstück, die başpare aus Wasserbüffelhorn, hinzugefügt. Sie formt den Luftstrom, bündelt die Absicht – und lässt das „Hū“ klarer klingen.
Das Spiel der Ney ist kein bloßes Musizieren. Es ist ein Akt der ständigen Anrufung Gottes (dhikr). Mit jedem Ton haucht der Neyzen – mit Mühe, Konzentration und Hingabe– das „Hū“, den Namen des Einen. In der Lehre der Sufis wird dies zur inneren Praxis:
Der Atem wird Gebet, der Klang wird Erinnerung, die Musik wird Weg.
So wird die Ney zum Spiegel der Seel, weil der Mensch, der sie spielt, sich dem Göttlichen zuwendet. Und im hauchzarten Ton dieser alten Flöte klingt etwas mit, das tiefer ist als Worte: die Sehnsucht nach der Einheit.